Verletzungen, Tragödien, Trainerabgänge, Niederlagenserien, Jugendhoffnungen, Kreismeisterschaft, Retirements und zwei Happy Ends – der Saisonrückblick 2010-11 des TV Jahn Borgholzhausen
Die "Eagles" haben es mal wieder in großem Stil geschafft, den Altkreis im Bereich Basketball gut zu repräsentieren. 2010 ging der TV Jahn Borgholzhausen nämlich mit insgesamt sieben Teams an den Start - jedoch auch mit einigen Veränderungen. Die Überschrift gibt jedoch schon mehr preis, als nur die jährliche Präsenz des Vereins in den Lokalen Spielbetrieben.
Und nun lehnt euch zurück, knippst die Schreibtisch-Lampen an, stellt euch Kakao und Plätzchen parat, dreht den Fernseher auf leise und hängt euer "Bitte nicht stören"-Schild vor die Tür. Denn diese Saison hatte so einiges zu bieten...
BORGHOLZHAUSEN – Bereits im Vorfeld der Saison gab es Großes aus der Personalebene zu vermelden. Abteilungsleiter Alexander Neß hing sein Amt aus privaten Gründen an den Nagel und hinterließ ein großes Lebenswerk – eine gut funktionierende Basketballabteilung mit einer Masse an Jugendspielern, die die Zukunft der Abteilung retten können. Es galt also, ein verantwortungsvolles Erbe anzutreten. Und dieser Herausforderung stellte sich aus eigenen Reihen Björn Thiel, 21, Spieler in der 2. Herrenmannschaft. Zusammen mit dem ebenso frisch gekürten Seniorenwart Hans Happich, 19, Spieler in der 1. Herrenmannschaft, war der Grundstein für die Zukunft also gelegt.
1.Herren: Die Landesliga-Absteiger standen zu Saisonbeginn vor einer großen Aufgabe. Der Kern der vorhergegangenen Landesligasaison blieb bestehen, wurde zusätzlich aber noch mit den gestandenen Spielern der zweiten Mannschaft ergänzt. Man schuf sich damit quasi als Antwort auf die Abgänge von diversen Leistungsträgern in den vorherigen Jahren das Beste aus zwei Welten, die der TV Jahn zu bieten hatte. Das offizielle Ziel: Spaß haben. Der inoffizielle Wille: Wiederaufstieg.
Ein neues „altes“ Gesicht eilte für dieses Unterfahren herbei: Michael Bonekemper, früher schon einmal für den TV Jahn tätig gewesen, stellte seine Dienste als Trainer bereit, welche das Team nun komplettierten.
Leider lief die Saison nicht so, wie man sich es erhoffte. Es gab derbe Niederlagen gegen andere Aufstiegsfavoriten und ärgerliche Klatschen gegen vermeidlich schlechtere Teams. Ehe man sich versah, stand man in der unteren Tabellenhälfte. Zu allem Überfluss verletzten sich früh in der Saison Stammspieler und Leistungsträger in Form von Sascha Laumann und Christian Janssen so schwer, dass sie für den Rest der Saison und noch länger ausfielen. Dem Lazarett schlossen sich im Laufe der Spielzeit noch weitere Spieler an, welche gegen Ende aber wieder auflaufen konnten. Aufgrund der Tatsache, dass die Saison bis zum Zeitpunkt der Winterpause nun eher als katastrophal anstatt als befriedigend betitelt werden konnte und der Trainer es nicht schaffte, die Spieler in seinen Augen positiv zu erreichen, trat Michael Bonekemper nach nur wenigen Monaten als Trainer der Mannschaft zurück und stellte das Team für die zweite Hälfte der Saison auf sich alleine. Trotz aller Schwierigkeiten in dieser Phase ereignete sich in der Rückrunde und nach erneuten Niederlagen jedoch etwas Außergewöhnliches. Der durch etliche Verletzungen auf sieben bis acht Mann geschrumpfte Kader entwickelte eine Spielchemie und eine Spielfreude, die man so lange nicht mehr in Borgholzhausen gesehen hatte. Bankspieler avancierten zu Führungs- oder Rollenspielern und trumpften mit unentdeckten Talenten auf. Resultat: Eine Fünf-Spiele-Siegesserie und im Endeffekt sechs Siege aus den letzten acht Partien sicherten den Eagles einen Platz im guten Mittelfeld. Die Saison war gerettet. Es haben sich Freundschaften gebildet, man respektierte einander für seine Stärken und noch mehr für seine Schwächen. Man half einander aus. Man hatte einfach Spaß an allem. Es gab ein Happy End. Das Team löst sich nun jedoch aus verschiedenen Gründen auf. Es wird so nie wieder zusammen spielen.
2.Herren: Die letztjährigen Leistungsträger des Teams wurden in die 1. Mannschaft hochgezogen, die hinterlassenen Lücken durch ehemalige Jugendspieler ersetzt. Gepaart mit Erfahrung von weiteren Vereinsspielern wollte man hier versuchen, sich über die Saison kontinuierlich zu verbessern. Siegeschancen malte man sich gar nicht erst aus - an Realismus fehlte es dem Team zumindest schon mal nicht.
In der Tat wurde das Team auch regelrecht von Favoriten zerrissen, sodass auf dem ohnehin unfruchtbaren Hallenboden, auch wenn er fruchtbar wäre, kein Gras mehr wachsen würde. Anstatt jedoch im Selbstmitleid zu versinken, arbeiteten sie diszipliniert an ihrer Verteidigung und am Passspiel. Mit Erfolg. Die Rückrunde war teils gut anzusehen, das ein oder andere Mal hatten sie die Gegner sogar am Rande einer Niederlage. Ob dann mangelnde Erfahrung oder Nervenversagen Schuld an den Niederlagen hatten vermag ich nicht zu beurteilen. Fest steht jedoch eins. Unsere 2. Herren haben nie aufgegeben, stets an sich geglaubt, an sich gearbeitet und sich immens gesteigert. Leider haben sie sich selber nicht belohnt. Zumindest nicht mit einem Sieg.
1.Damen: Nach Ablauf der vergangenen Bezirksliga-Saison, die mit einem Klassenerhalt endete, hatten unsere Damen mit immensen Existenzängsten zu kämpfen. Spielerabgänge und unvorteilhafte Arbeitszeiten ließen nichts Gutes für die bevorstehende Saison erahnen. Im Training standen sie in der Tat, wenn es gut lief, mit drei Damen in der Halle, ansonsten schlossen sie sich dem Herrentraining an. Im Spielbetrieb müsste man auf Jugendspielerinnen hoffen, um ein Team auf die Beine stellen zu können. Schlechte Aussichten. Und dennoch entschlossen sich die Damen kollektiv unter Trainer Björn Thiel: "Wir wollen es versuchen!" Und sie haben es versucht. Und wie! Woche für Woche kam das Team mit neuen Blessuren in die Trainingshalle. Ich kann die blauen Flecke schon gar nicht mehr zählen, die mir alle gezeigt wurden. Dazu geprellte Rippen, Verstauchte und angeknaxte Finger sowie Zehen und verletzte Sprunggelenke. Das alles zeugt von Willen, von Kampfbereitschaft, von Statement. Oft nur mit fünf Frauen zu Spielen gereist um den Punkt für's Antreten zu erlangen zeigten sie nebenbei auch noch, dass sie mehr konnten, als nur abzustauben. Nämlich auch einzustecken. Und auszuteilen. Sie belohnten sich selber mit dem ein oder anderen Sieg trotz aller Hiobsbotschaften im Vorfeld und den Verletzungen während der Saison. Jeder hat auf die Zähne gebissen und weitergespielt. Das Ergebnis: Der erneute Klassenerhalt! Denn wo ein Wille ist, das ist auch ein Weg. Und ein Happy End. In Borgholzhausen bei den Damen sowieso.
U17 Damen: Wir schreiben die zweite Saison, die der TV Jahn eine U17 Damenmannschaft stellt. Im letzten Jahr bestand das Team aus Mädchen, die zuvor noch nie einen Basketball in der Hand gehalten hatten, geschweigedenn das Regelwerk beherrschten. Daniele Vogt nahm sich dieser Herausforderung an, brachte ihnen dem Umgang mit dem Ball nahe, erklärte das Regelwerk und zeigt im Groben, wer was zu welchem Zeitpunkt zu tun hat. Das erste Jahr war ein Findungsprozess. Ein Kennenlernen. Der Spaß am Spielenlernen stand an erster Stelle. Die Niederlagen während der Saison spielten keine Rolle.
Nun zurück in die Zukunft. Das Team kennt sich, das Team wird immer größer. Das Team hat Talente aufgebracht, das Team kann spielen. Das Team hat immenoch Spaß. Und dazu auch noch mehr Lust! Jetzt sollten Siege her! Und tatsächlich haben sie es geschafft, innerhalb kürzester Zeit ein Team auf die Beine zu stellen, in dem jeder seinen Aufgabenbereich kannte, um Spiele zu gewinnen. Nicht oft. Aber sie gewannen. Manchmal mit mehr Ach als Krach, manchmal mit mehr Glück als Verstand. Aber das spielt im Sport keine Rolle. Das bessere Team ist immer das, was gewonnen hat. Und genau das taten sie ab und zu. Doch auch glänzende Medaillen können hässliche Kehrseiten haben. Überschattet wurde diese grandiose Saison nämlich von einem tragischen Ereignis. Während eines regulären Ligaspiels wurde eine Mitspielerin unserer U17 Mannschaft aus Deutschland abgeschoben. In einer kurzerhand vom Staat geplanten Nacht-und-Nebel-Aktion. Das Bestürzen im Verein danach war groß. Diese Saison widmen die Mädchen ihrer Freundin.
U16 Männlich: Die U16 befand sich vorletzte Saison in einem Neuanfang, nachdem Dieter Lange das sinkende Schiff verlassen hatte. Manuel Gonzalez nahm sich der Aufgabe an, das Team auf Vordermann zu bringen. Auch hier musste man sich kennenlernen und einiges umstrukturieren. Die erste Saison damals konnte man also ebenfalls als Selbstfindungsphase betrachten.
Dieses Jahr wurde das Team jedoch noch aus hochgezogenen, ehemaligen U14 Spielern verstärkt. Die Saisonvorbereitung verlief hart, einige Spieler stießen an ihre Grenzen, rafften sich auf und verbesserten sich! Das Team steckte zudem voller unerwarteter Talente, man malte sich Großes für die Saison aus. Umso ernüchternder war dann aber der Start in die Saison. Die ernüchternde Bilanz nach zwei Spielen: Zwei knappe Niederlagen. Wir drückten den Reset-Knopf, niemand war gesetzt, alle mussten sich neu beweisen. Mit Erfolg. Unser System griff endlich. In der Verteidigung früh stören, mit Attack-Basketball zu Punkten kommen. Nach den beiden Auftaktniederlagen folge eine Aufholjagd, die seines Gleichen sucht. Ausnahmslos wurden alle Spiele gewonnen. Die Krönung der harten Arbeit und der super gespielten Saison: Die Kreismeisterschaft! Borgholzhausens U16 Jungs haben sich die Kreismeister-Krone gesichert! Und einen neuen Ball für den Verein ;)
U14 Männlich: Unsere U14 galt schon die letzten Jahre über als zukünftiges Aushängeschild des Vereins. Gespickt mit Talenten und ambitionierten Spielern steckten sie ihr Saisonziel entsprechend hoch: Platz 1. Meisterschaft. In der Tat war dies auch subjektiv gesehen gar nicht allzu hoch gegriffen. Sowohl in der Verteidigung und in ihren Spielzügen waren die U14-Eagles ihren Gegnern immer einen Schritt voraus. Teilweise nahmen gegnerische Familien die Spiele per Kamera auf, um die Leistung unserer Jungs als Trainingsbeispiel für die eigene Mannschaft zu nutzen. Alleine das ist ein Kompliment an die Jungs von Trainer Alexander Ness. Mit der Meisterschaft wurde es letzten Endes jedoch nichts – ein spezieller Gegner spielte die Partien gegen uns immer so unfair, dass wir diese Spiele nicht für uns entscheiden konnten. Besagter Gegner wurde dann letztendlich auch Kreismeister. Um es in den enttäuschten Worten Alexander Neß' auszudrücken:"Das ist unverdient." Nichts desto trotz, Leute: Kopf hoch! Nächstes Jahr gibt es die Revanche!
U12 Männlich: Auch das Talent in der U12 von Trainer Lars Busse kann sich durchaus blicken lassen! Für ihr Alter können bereits einige Spieler mit einer Guten Geschwindigkeit und Verteidigung auftrumpfen, was in so niedrigen Altersklassen schon zu einem großen Vorteil verhelfen kann. Leider konnten sich die Mini-Eagles keiner allzu tiefen Bank bedienen, was dann den ganz großen Schritt in Richtung Tabellenspitze leider nicht ermöglichte. Dennoch resultierte aus einer nett anzusehenden Saison ein wunderbarer und respektabler vierter Platz. Da kommt bald noch mehr! Wir freuen uns drauf.
Die Saison der TV Jahn-Teams hatte ihre Höhen und Tiefen. Ihre Erfolge und ihre traurigen Seiten. Jubelnde Gesichter und am Ende trotz super Leistung enttäuschte Mienen. Der TV Jahn sieht durch viele Abgänge eine in sich zusammenfallende Herrenabteilung. Die Zukunft an dieser Stelle ist noch ungewiss. Worauf die Basketballabteilung jedoch mit Sicherheit bauen kann, ist die Jugend. Hier wächst einiges heran. Hier hat man einen Kreismeister, im Herzen sind es sogar zwei. Die Talente sind da. Die Masse passt. Kampfgeist und Teamplay werden hier großgeschrieben. Das machen die Damen-Teams vor. In dieser Hinsicht braucht man sich hier keine Gedanken zu machen.
In diesem Sinne: Danke für eine großartige Saison! Danke an Spieler, Trainer und Eltern, die geholfen und unterstützt haben, wo sie nur konnten. Danke.
Wir sehen uns nächstes Jahr zur Saison 2011-12 wenn es wieder heißt: Eagles – FLY!
MGF